Wie werde ich freiberuflicher Kunsthandwerker?

Als freiberuflicher Kunsthandwerker gibt es einiges zu beachten.

Ihr möchtet euer Hobby zum Beruf machen und als freiberuflicher Kunsthandwerker tätig sein? Dann gilt es zuerst einmal zu klären, ob der Schwerpunkt eurer Tätigkeit im Bereich Kunst und Design liegt. Wenn dem so ist, dann gehört ihr in die Kategorie „Freiberufler“. Die Kriterien dafür sind folgende:

  • Es muss sich um eine künstlerische Tätigkeit handeln.
  • Die Arbeiten können zu Nützlichkeits- oder Gebrauchszwecken angefertigt werden (wie beispielsweise Geschirr).
  • Die Tätigkeit als freiberuflicher Kunsthandwerker muss auf einer eigenschöpferischen Leistung beruhen und die individuelle Anschauungsweise des Künstlers bzw. Kunsthandwerkers ausdrücken.
  • Eine künstlerische „Gestaltungshöhe“ muss vorhanden sein und der Künstler muss seine Technik hinreichend beherrschen. Wenn eine kunstbezogene Ausbildung vorliegt, ist die Beherrschung der Technik meist gegeben. Bei einem Kunststudium wäre das zum Beispiel der Fall.
  • Der Kunstwert muss den Gebrauchswert übersteigen.
  • Die Kunsthandwerksstücke können sich nach Vorgaben von Auftraggebern richten, müssen aber in der künstlerischen Handschrift des Kunsthandwerkers gestaltet sein.
  • Die Tätigkeit darf nicht weisungsgebunden sein.

Alles Auslegungssache im Kunsthandwerk

Das hört sich nun alles sehr schwammig an und ist teilweise Auslegungssache. Denn wie hoch die Latte für die Gestaltungshöhe liegt und ab wann ein Künstler seine Technik ausreichend beherrscht, ist nicht für alle festgelegt. Ebenso ist der Kunstwert eines Gegenstandes oder Bildes immer Ansichtssache. Deshalb muss laut eines Urteils des Bundesfinanzhofs im Kunsthandwerk je nach Einzelfall entschieden werden, ob die Kriterien für Freiberuflichkeit erfüllt sind oder nicht.

Nicht als freiberuflich zählt hingegen die Herstellung der Stücke in Serienproduktion. Doch auch hier ist die Zahl, ab wann die Herstellung von Kunsthandwerksstücken als Serie zählt, gesetzlich nicht genau festgelegt. Beim Verkauf oder Vertrieb der Objekte gelten ebenfalls besondere Anforderungen.

Deshalb solltet ihr euch vor Beginn eurer Tätigkeit als freiberuflicher Kunsthandwerker unbedingt mit dem Finanzamt und ggf. einem Steuerberater abstimmen, ob in eurem Fall eine freiberufliche Tätigkeit vorliegt, oder ob ihr ein “Gewerblicher” seid. Dies vorab zu klären, ist sehr wichtig, da für Gewerbliche andere Regeln gelten, als für Freiberufler. Beispielsweise müsst ihr als „Freie“ kein Gewerbe anmelden. Das bedeutet, ihr müsst auch keine Gewerbesteuer zahlen und euch nicht bei einer Kammer eintragen lassen. Zudem können freiberufliche Kunsthandwerker eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung führen. Dabei stellt ihr eure Einnahmen euren Ausgaben gegenüber und ermittelt so den Gewinn. Aufwendige Buchhaltung mit Bilanz etc. ist dann nicht nötig.




An wen kann ich mich wenden?

Wollt ihr wirklich auf Nummer sicher gehen, könnt ihr eine verbindliche Auskunft beim Finanzamt einholen. Doch vorsicht: Die verbindliche Auskunft des Finanzamtes ist mit sehr hohen Anforderungen und Kosten verbunden. Wendet euch im Zweifelsfall vorher lieber an die, für euer Gebiet zuständige, Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer. Wenn ihr euch schließlich als Freiberufler beim Finanzamt angemeldet habt, erhaltet ihr eine neue Steuernummer. Diese müsst ihr in Zukunft auf den von euch gestellten Rechnungen immer angeben. Auf der Website des Instituts für freie Berufe in Nürnberg könnt ihr eine PDF-Datei mit den wichtigsten Infos zum freiberuflichen Status einsehen. Die Datei enthält auch einen Fragenkatalog, mit dem ihr euch besser orientieren könnt, ob ihr als freiberuflich geltet oder nicht.

Künstlersozialkasse nur für bildende Kunst

Seid ihr schließlich sicher, dass eure Tätigkeit als freiberuflich gilt, so könnt ihr euch als Schaffender von bildender Kunst bei der Künstlersozialkasse anmelden, um in eure Kranken- und Rentenversicherung einzuzahlen. Für Kunsthandwerker gilt das leider nicht. In Deutschland besteht seit 2009 Krankenversicherungspflicht. Ihr müsst also entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichert sein. Was der Arbeitgeber normalerweise bei Angestellten automatisch vom Bruttolohn abzieht, muss jeder Freiberufler selbst monatlich abführen. Die KSK versichert Künstler und bestimmte freie Berufe, die unter den „künstlerischen Aspekt“ fallen und entlastet euch etwas bei dem abzuführenden Renten-, Krankenkassen- und Sozialversicherungsbetrag.

Auch bei der KSK müsst ihr durch Arbeitsproben oder andere Referenzen nachweisen, dass ihr künstlerisch sowie freiberuflich tätig seid. Zu weiteren Versicherungen wie Berufsunfähigkeits-, Altersvorsorge-, Unfall- und Rechtsschutzversicherung besteht zwar kein Zwang, doch sind sie natürlich sinnvoll, da ihr als Selbstständige für eure eigene finanzielle Absicherung in jeder Hinsicht sorgen müsst. Alle anderen, die als Kunsthandwerker gelten, müssen eine freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung abschließen. Das erfolgt normalerweise über die eigene Krankenkasse. Allerdings hat es auch höhere Beitragssätze zur Folge. Am besten ihr Informiert euch vorher bei eurer Krankenkasse und vergleicht auch die Tarife anderer Krankenkassen.

Bin ich als freiberuflicher Kunsthandwerker auch ein Kleinunternehmer?

Am Anfang eurer Tätigkeit werdet ihr vermutlich noch unter die Kleinunternehmerregelung fallen. Die gilt für alle Unternehmen, gewerblich wie auch freiberuflich, wenn ihr unter einem bestimmten Betrag jährlich verdient. Aktuell muss euer Einkommen unter 17.500 Euro im Jahr liegen, damit ihr noch zu den Kleinunternehmern gehört. Der Vorteil von Kleinunternehmern: sie müssen keine Umsatzsteuer abführen. Ihr könnt eure Rechnungen ohne Mehrwertsteuer stellen, solange ihr unter diese Regelung fallt. Dafür muss aber der Kleinunternehmer-Verweis auf der Rechnung ausgewiesen sein. Beispielsweise so: „Kein Ausweis von Umsatzsteuer, da Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG.“ Am besten besprecht ihr das vorher mit eurem Steuerberater.

Wenn ihr alle wichtigen Aspekte beachtet, alle Formulare ausgefüllt und alle anfallenden Arbeiten erledigt habt, steht eurem Start in eure Freiberuflichkeit als KunsthandwerkerIn nichts mehr im Weg. Dann heißt es: Spaß haben und Umsatz machen. Natürlich gehört zu einer erfolgreichen Laufbahn als KunsthandwerkerIn noch mehr, als nur den Status des Unternehmens zu klären. Der nächste Blogartikel wird deshalb das Marketing in der Kunsthandwerksbranche beleuchten und euch hoffentlich viele neue Inspirationen für eure eigene Werbung bringen. Interessante Interviews von Kunsthandwerkern findet ihr außerdem in der Interview-Rubrik.

Weiterführende Links:

Urteil des Bundesfinanzgerichts
Infos zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Kleinunternehmerregelung
Übersicht der Handwerkskammern in Deutschland

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