Manufaktur Filzlaus – Interview mit Rafael Cebulla Teil 1

 

Rafael Cebulla im Atelier
Rafael Cebulla| Fotocredits: Juliane Pröll

Rafael Cebulla betreibt zusammen mit seiner Frau die Wollfilzmanufaktur Filzlaus in Spalt. Die beiden stellen Filzaccessoires und Taschen in Handarbeit her. Wie er auf die Idee zu den Filzprodukten gekommen, warum ausgerechnet der gewalkte Wollstoff das Material der Wahl ist und vieles mehr, lest ihr hier im ersten Teil des Interviews.

Sie arbeiten bereits seit April 2012 mit Wollfilz. Machen Sie das nebenberuflich oder als Vollzeit-Job?

Wir arbeiten jetzt schon größtenteils Vollzeit. Ich habe natürlich noch einen anderen Vollzeitjob. Ursprünglich komme ich aus der Industrie und habe Industriemechaniker gelernt.

Wie ist die Arbeit in der Filzlaus-Spalt-Manufaktur zwischen Ihnen und Ihrer Frau aufgeteilt?

Das ganze Nähgeschäft, alles was sich um das Produkt handelt mache hauptsächlich ich. Die Entwürfe oder die Ideen kommen von meiner Frau. Das komplette „Backup-Geschäft“ läuft über sie.

Wieviel Zeit nimmt Ihre kunsthandwerkliche Arbeit in Anspruch?

Das können schon mehrere Stunden sein. In dem Sinne ist es ein Sieben-Tage-Job, eine Selbstständigkeit. Ich habe meine ganz normale feste Anstellung und Abends bin ich dann im Atelier. Auch am Wochenende.

Auf welche Kriterien legen Sie besonders Wert bei Ihren Produkten?

Ein ganz wichtiges Kriterium für uns ist die Ökologie, das heißt wir arbeiten mit 100 Prozent Wollfilz und legen auf die ökologische Herstellung des Filzes großen Wert. Aber auch die Verarbeitung ist für uns von Bedeutung. Es muss einfach alles perfekt passen und wenn es nicht perfekt passt, dann wird eine Naht wieder aufgetrennt und das Produkt nochmal neu vernäht. Damit der Kunde wirklich vollkommen zufrieden ist. Das ist das was uns ausmacht und was für uns wichtig ist. Denn die Zufriedenheit des Kunden liegt uns am Herzen.

Nähmaschine im Filzlaus-Atelier

An der Nähmaschine im Filzlaus Atelier werden die Filz-Produkte genäht | Fotocredits: Juliane Pröll

Stellen Sie nur Einzelstücke her oder machen Sie auch Serienfertigung?

Wir machen ausschließlich Einzelstücke und Kleinstserien, allerdings haben wir auch einige Geschäfte, die unsere Ware abnehmen. Für die fertigen wir eine größere Stückzahl, aber nicht für ganz große Kaufhäuser. So einen Bedarf können und wollen wir auch gar nicht abdecken. Wir wollen nicht in Massenproduktion gehen, sondern wir wollen nach wie vor individuell bleiben und Kleinstserien herstellen. Bei kleinen Serien ist jedes Produkt immer noch ein Einzelstück. Jede Naht sieht ein bißchen anders aus, da wir dafür keine großen Massenfertigungsmaschinen benutzen.

Wie hat ihr Geschäft den jetzigen Bekanntheitsgrad erlangt?

Für uns war wichtig, dass wir uns auf den Märkten präsentieren, eben für unsere Kunden. Da haben wir sehr viel an Popularität gewonnen, denn am Stand nehmen die Kunden Visitenkarten und Flyer mit. Wir legen sehr viel Wert auf einen schönen und perfekten Marktstand. Wichtig ist das Internetgeschäft und die Mundpropaganda. Es hat ganz klein angefangen mit dem ersten Täschchen und dann sind unsere Produkte den Leuten aufgefallen. So ist das entstanden. Langsam aber kontinuierlich. Uns geht es auf den Märkten darum, unsere Produkte, unsere Idee und unser Konzept den Leuten nahezubringen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen mit Wollfilz zu arbeiten?

Auf die Idee kamen wir eines Abends. Wir hatten eine Kamera und zu der gehörte eine Kunststofftasche. Da dachten wir uns, es wäre doch schön, etwas Natürliches zu haben, wie zum Beispiel eine Ledertasche oder ähnliches. Irgendwann sind wir dann auf den Werkstoff Wollfilz gekommen und auf die Idee, damit auch für Elektronikgeräte wie Handys und Fotokameras Wollfilztaschen herzustellen.

Filzuntersetzer mit Comic-Augen

Lustige Sachen mit Filz: Filzlaus-Untersetzer mit Cartoon-Augen | Fotocredits: Juliane Pröll

Warum haben Sie sich für Wollfilz als Material entschieden?

Erstens, weil es ein echtes Naturprodukt und zu 100 Prozent Wolle ist. Das war uns sehr wichtig. Zweitens, weil es die Wollfilzwaren wie wir sie herstellen, gar nicht gegeben hat oder nicht gibt. Selbstverständlich gibt es viele Filzaccessoires, die werden aber größtenteils nicht aus Wolle, sondern aus Kunstfaser produziert. Das sind dann die, die in den Discountern zu haben sind. Da steht auf dem Etikett auch 100 Prozent Polyester. Die kann man natürlich billiger anbieten. Das ist für uns nicht möglich, weil wir wirklich reinen Wollfilz verarbeiten und dieser dementsprechend auch seinen Preis hat.

Kunsthandwerk ist eine Verschmelzung von Kunst und Handwerk. Sehen Sie sich als Künstler?

In gewissen Sachen schon. Uns bringen Leute zum Beispiel viele Gegenstände aus anderen Werkstoffen und fragen, ob es möglich wäre, diesen Gegenstand auch aus Wollfilz zu machen. Da fühle ich mich immer ein bißchen herausgefordert. Da steht dann auch der Zeitfaktor in keiner Relation zum Kostenfaktor. Da sitzen wir viele Stunden dran und denken darüber nach wie sich das Produkt realisieren lässt, wie man es am Besten näht.

Dafür wird auch viel Wollfilz verschnitten. Aber wenn ich sehe wie sich der Kunde darüber freut und das Produkt, das er in den Händen hält „genießt“, dann betrachte ich das schon als Kunstwerk. Vor allem, weil ich sagen kann, ich habe aus Nichts etwas gezaubert. Von der kleinsten Idee bis zum Ende hin haben wir ein Produkt kreiert, was wirklich einmalig und somit auch ein Kunstwerk ist.

 

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