Manufaktur Filzlaus – Interview mit Rafael Cebulla Teil 2

Rafael Cebulla im Atelier

Rafael Cebulla| Fotocredits: Juliane Pröll

Rafael Cebulla betreibt zusammen mit seiner Frau die Wollfilzmanufaktur Filzlaus in Spalt. Die beiden stellen Filzaccessoires und Taschen in Handarbeit her. Was ihn antreibt, welches das außergewöhnlichste Stück ist, welches er bisher gefertigt hat und vieles mehr, lest ihr hier im zweiten Teil des Interviews.

Im Laufe der Jahre ist ihre Manufaktur immer weiter gewachsen. Wie sieht die Zukunft der Filzlaus-Spalt aus?

Um sich die Individualität erhalten zu können, ist es uns natürlich wichtig, dass unsere Produkte keine Massenware werden. Wir hatten schon Anfragen von großen Internet-Shops, ob wir eine gewisse Produktanzahl nach ihren Vorstellungen fertigen könnten. Natürlich wäre das möglich gewesen, haben wir aber abgelehnt. Um in so einem Markt zu arbeiten, muss schon vieles passen, denn die Einmaligkeit unserer Stücke würde verloren gehen. Wir könnten mittlerweile viel weiter sein. Wir könnten viel größer sein, wenn wir das gewollt hätten. Aber wir wollten einfach dieses kleine Kunstgewerbe, diese Individualität, für uns behalten und haben dafür auch auf Geld verzichtet. Wir wollten uns nicht schnell, sondern kontinuierlich entwickeln.

Was treibt Sie an, wenn es nicht ums Geld geht?

Mich treibt dieser Werkstoff an, mich treibt diese Arbeit an. Für mich ist das Entspannung, auch wenn es Arbeit ist. An der Nähmaschine zu sitzen, vor der Stickmaschine zu stehen, den Wollfilz zu zuschneiden, das macht mir einfach Spaß.

Filzstoff-Muster auf Tisch

Die Auswahl an Farben ist groß. | Fotocredits: Juliane Pröll

Was war das außergewöhnlichste Produkt, welches Sie bisher gemacht haben?

Das außergewöhnlichste Produkt ist momentan noch in Auftrag. Wir sollen eine Trachtenjacke aus Filz herstellen. Die Trachtenjacke existiert bereits, aber wir sollen sie neu besticken und neu designen. Der Besitzer ist immer noch am Grübeln, was er genau haben möchte. Für uns ist sehr vieles möglich. Die Jacke ist für uns das erste große Kleidungsstück. Wir haben schon vieles hergestellt, aber ein richtiges Kleidungsstück aus Wollfilz, das jemand trägt, haben wir noch nicht. Das wäre auf jeden Fall eine Herausforderung und auch das Skurrilste für uns.



Wir leben in einer Zeit in der sogar große Designer-Marken ihre Teile billig im Ausland herstellen lassen. Sind Ihre Kunden bereit, für bessere Qualität auch mehr zu zahlen?

Wo wir diese Problematik erkennen, ist auf den Märkten. Die Leute sehen unsere Produktpreise und dann kommen manchmal Sätze wie: ‚Das ist aber alles sehr teuer. In anderen Geschäften kostet die Tasche nur einen Bruchteil.‘ Wenn man sich mit den Kunden allerdings darüber unterhält und ihnen den Unterschied aufzeigt, was sie beim anderen Geschäften erhalten und was sie im Vergleich dazu bei uns bekommen, sind die Kunden wieder etwas besänftigt. Natürlich herrscht da ein sehr hoher Preisunterschied zwischen den Filzprodukten vom Fließband und unseren Artikeln.

Aber Kunden, die genau wissen, was für eine Qualität sie vor sich haben, sind sich des höheren Preises auch bewußt. Deswegen gehen wir hauptsächlich auf Kunsthandwerkermärkte. Dort kennen sich die Leute mit solchen Produkten aus. Auf einem Flohmarkt ist es schwierig, unsere Waren anzubieten, da die Besucher auf einem Flohmarkt nicht bereit sind, 50 Euro für eine Wollfilztasche zu bezahlen. Ganz am Anfang, als wir unser Geschäft aufgebaut haben, haben wir alle unsere Artikel nur mit „Filz“ bezeichnet. Wir benennen sie nun aber nach und nach mit der Bezeichnung „Wollfilz“ um, da unsere Filzprodukte zu hundertprozent aus Wolle bestehen. Damit grenzen wir uns qualitativ vom „Billig-Filz“ ab, schon vom Produktnamen her.

Filzlaus-Trachtentasche auf Glastisch

Eine Filzlaus-Tasche im Trachtenstil. | Fotocredits: Juliane Pröll

Was ist das Wichtigste, das Sie während ihrer Kunsthandwerkertätigkeit gelernt haben?

Ehrlichkeit. Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber und Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. Das beginnt schon, wo ich weiß, da ist eine Naht nicht gelungen oder etwas passt nicht 100-prozentig. Ich weiß zwar ganz genau, der Kunde erkennt es gar nicht, aber ich kann dieses Produkt nicht verkaufen, wenn ich weiß, dass diese Naht nicht vollkommen passt. Dann wird die Naht, die der Kunde gar nicht sehen kann, aufgetrennt und nochmal neu gemacht. Dann ist der Kunde zufrieden und hat ein Lächeln auf dem Gesicht. Sich selber treu bleiben und dem Kunden treu bleiben, das haben wir gelernt. Da ist es völlig egal, ob ein Kunde einmalig oder mehrmals etwas kauft, er bekommt trotzdem die gleiche Wertschätzung mit der gleichen Filzlaus-Qualität.

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