Kunst, die keinen Sinn macht, aber die Sinne berührt

Digitale Collage „Vermessung“ von Gerhard Langner | Fotocredits: Gerhard Langner

„Es ist mir wichtig, dass meine Arbeiten keinen Sinn machen, aber die Sinne berühren und Gefühle erzeugen“, sinnfrei, aber nicht sinnlos sollen Gerhard Langners Arbeiten sein. Dieses Zitat hat eine ganz besondere Bedeutung für den Kunstschaffenden. Damit begrüßt er auch die Besucher seiner Website. „Das ist ein Zitat, das mir in die Hände gefallen ist“, erklärt er. „Leider weiß ich nicht mehr von wem. Der Betrachter soll nicht fragen, sondern soll sagen, was zu sehen ist.“ Mit abstrakten Papier-Collagen, surrealen Zeichnungen, Objekten und Druckgrafiken berührt der Kunstschaffende nun seit über 50 Jahren die Betrachter seiner Kunst. Langner verwendet lieber den Begriff „Kunstschaffender“ als „Künstler“ für sich: „Meine Definition: Künstler haben Kunst studiert und müssen oft für ihren Lebensunterhalt einen Job annehmen. Kunstschaffende haben einen Job und schaffen nebenher Kunst.“

Kunst ist mit Scheitern verbunden

Assemblage von Gerhard Langner
DADA-II, eine Assemblage | Fotocredits: Gerhard Langner



Neugier, Interesse an verschiedenen Materialen sowie Techniken und das Vorhaben alles selbst auszuprobieren, brachten ihn zu seinem kreativen Schaffen. „Das ist natürlich auch mit Scheitern verbunden. Doch wenn etwas geglückt ist, dann wurde es von mir weiter verfolgt und angewendet.“ Kunst bedeutet für ihn das Ausleben seiner Fantasie. „Es bedeutet, auszudrücken, was ich sehe und denke, was andere Menschen nicht ohne Weiteres mitbekommen“, sagt Langner. Durch seine künstlerische Arbeit versuche er, die Betrachter der Arbeiten in seine Welt einzuführen.

Kunst von Gerhard Langner:Papiercollage O.T.-2
Papiercollage O.T.-2 | Fotocredits: Gerhard Langner

Dank seiner handwerklichen Ausbildung, einer Maurerlehre, kam er mit den unterschiedlichsten Materialen in Berührung. Die setzt er nun in seiner Kunst ein. Seiner künstlerischen Tätigkeit geht der studierte Bauingenieur seit jeher nebenbei nach und hat sich alles selbst beigebracht. „Ich muss mit meiner Kunst nicht unbedingt Geld verdienen“, erklärt er. „Wenn sich jemand für meine Bilder oder Objekte interessiert und mit mir das Gespräch sucht, bin ich schon zufrieden.“

Objekt Große Blüte von Gerhard Langner
Große Blüte | Fotocredits: Gerhard Langner

Ein Kunststudium war keine Option

Von Kindheit an zeichnet er gern, malt und bastelt. Trotzdem verfolgte er keine künstlerische Laufbahn: „Kunst zu studieren, war dort, wo ich herkam, keine Option. In dem Dorf, in dem ich aufwuchs, galten schon lange Haare, die ich damals trug, als etwas Absonderliches. Meine Eltern, beide waren schwerbehindert, hatten nicht viel Geld und so war der Besuch einer weiterführenden Schule und ein angedachtes Studium schwer zu verkraften. Daraus ergab sich dann eben das Studium zum Bauingenieur und so konnte ich dann meine Mutter etwas finanziell unterstützen. Mein Vater war damals schon verstorben.“

Gerhard Langner Porträt
Gerhard Langner, der Kunstschaffende selbst | Fotocredits: Gerhard Langner



Die Initialzündung gab damals sein Berufsschullehrer, der gleichzeitig Vorstand des Kunstvereins Coburg war und der die Schüler zu jeder Ausstellung in seinen Verein führte: „Da bekam ich erstmals Einblicke in die ‚Kunstwelt‘, die für mich bis dahin nur als Freizeitvergnügen zu sehen war.“ Er besuchte Kurse und Workshops, las viel über Kunst und besuchte Kunstausstellungen.

Kunstobjekt mit dem Titel Der Graben
Objekt „Der Graben“ | Fotocredits: Gerhard Langner

Mit Kettensäge, Hammer & Meißel

Alles, was mit handwerklicher Tätigkeit zu tun hat, macht ihm Spaß. Nur das Malen mit Farbe und Pinsel liegt ihm nach eigener Aussage nicht. Viel Raum nimmt dafür die Druckgrafik mit Linol- oder Holzschnitt, Lithografie und Radierungen bei seiner Kunst ein. „Dazu gehört auch das Arbeiten mit Holz, wobei ich schon mal mit der Kettensäge zugange bin oder Stein mit Hammer und Meißel bearbeite.“ Neu ist das Erstellen von digitalen Collagen und in der Weiterführung auch Videos mit selbstgezeichneten Bildern am PC.

Kunst von Gerhard Langner: Druck Traum Nr. 4
Traum Nr. 4 | Fotocredits: Gerhard Langner

Inspiration für seine Werke bekommt Langner unter anderem bei Wanderungen oder Spaziergängen. Dabei hilft ihm seine Beobachtungsgabe. „Augen offen halten, sehen was andere nicht sehen, diese Gabe habe ich“, erklärt er. „Zum Beispiel habe ich bei einer Wanderung mitten im Wald ein Hufeisen gefunden. Vor mir sind meine Mitwanderer achtlos daran vorbei gelaufen. Bei unseren Wanderungen bin ich ständig am Fotografieren und stelle am Ende des Jahres Videos davon zusammen. Dabei höre ich oft ‚Ja wo war das denn?‘, obwohl alle Freunde dabei waren. Ich sehe also Dinge, die andere nicht sehen. Ich habe ein visuelles Gedächtnis. Mir prägen sich Bilder ein, die ich dann bei Bedarf abrufen kann, die aber nicht immer im Zusammenhang mit dem gerade gestalteten Bild zu sehen sind.“

Langners Kunst: Die Lücken dazwischen sehen

Langner führt seine Sicht auf die Welt am Beispiel des Künstlers Piet Mondrian weiter aus: „In seiner Biografie ist zu sehen, wie er von der realistischen Darstellung von Landschaften und Natur, zur Abstraktion kam. Bäume, die er realistisch darstellte, wurden immer mehr zu Linien und Rechtecken, und vor allem die Zwischenräume der Äste erlangten an Bedeutung. So sehe ich auch, wenn ich einen Baum betrachte, nicht nur die Äste, sondern auch die Lücken dazwischen.

Das ist ein etwas anderes Sehen, welches ich sehr schätze. Sobald ich mich ausruhe und die Augen schließe, laufen bei mir im Inneren Filme ab, Halbträume, die ich dann zu meinen Arbeiten weiter verarbeiten kann. Das klingt verrückt, ist aber so und beeinflusst mein sonstiges Leben nicht. Andere ‚Vorbilder‘ , im wahrsten Sinne des Wortes, sind die Surrealisten, wie Dali, Ernst, Magritte, de Chirico, Tanguy und andere – Zeichnen und gestalten aus dem Bauch heraus, ohne viel dabei nachzudenken.“

Papiercollage O.T.-1
Papiercollage O.T.-1 | Fotocredits: Gerhard Langner



Arrangement zu einem ästhetischen Objekt

Bei der Erstellung seiner Collagen setzt er ein Fundstück in einen Rahmen, verschiebt und ergänzt es mit anderen Teilen. Auf diese Weise arrangiert er es zu einem ihm „entsprechenden, ästhetischen Objekt“. Anschließend gestaltet er einen Hintergrund zum Beispiel mit einem Foto oder einem Relief. Dabei verarbeitet er alles, was ihm geeignet erscheint: von Fundstücken bis hin zu selbstgeformten Objekten zum Beispiel aus Holz, Stein, Papier oder Styrodur, einem Isoliermaterial aus dem Baugewerbe. Seine Kunst erschafft er in seinem Werkraum im Keller oder im Freien. Der Corona-Krise gewinnt der Künstler durchaus etwas Positives ab. „Ich habe nun mehr Zeit, einen Teil meiner Ideen umzusetzen und all die angefangenen Arbeiten zu Ende zu führen.“

Assemblage DADA-I. Kunst von Gerhard Langner
Assemblage DADA-I | Fotocredits: Gerhard Langner

Eines seiner laufenden Projekte ist derzeit die Ausstellung im Kulturladen Röthenbach mit der Gruppe ART_Oberasbach. Allerdings ist die momentan wegen Corona-Verordnungen nicht zu besichtigen.

Ein weiteres Projekt war für den Tag der schönen Künste in der Akademie Faber Castell in Stein gedacht. Doch der Termin wurde ebenfalls abgesagt. Eine weitere Ausstellung in der Galerie Spitzbart in Oberasbach wurde ebenfalls wegen Corona verschoben.

Bei seiner Kunst ist ihm wichtig, dass die Menschen die Welt wieder „mit kindlichen Augen sehen, wie auch schon Picasso gefordert hat. Man wird Neues entdecken und Altes anders bewerten.“ Auch die Betrachter in eine Welt zu führen, „die es neben der realen Welt auch noch zu entdecken gibt“, liegt ihm am Herzen.

Weitere Beiträge zu Künstlern und Kunsthandwerk findet ihr unter der Rubrik „Beiträge und Interviews“. Mehr über Gerhard Langners Kunst gibt es auf seiner Website.

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