Interview mit Michael Schofer – Stifte mit Seele

Der Diakon drechselt Stifte aus Holz in seiner eigenen Werkstatt.

Michael Schofer in seiner Werkstatt. | Fotocredits: Michael Schofer

Diakon, Seelsorger, Maler und Kunsthandwerker – Michael Schofer hat viele Seiten. Seine kreative lebt er vor allem durch die Herstellung von Füllern, Kugelschreibern und Tintenrollern mit Edelhölzern aus. Aber auch Kalligraphie und Malerei gehören zu seinen künstlerischen Leidenschaften. Unter dem Namen „Mischo“ ist er auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs und verkauft dort seine Stifte und Kalligraphie-Spruchkarten. In jedem Stift steckt eine Geschichte und damit auch ein bißchen Seele.



Sie zeichnen, verleihen Worten mit Kalligraphie Ausdruck und fertigen Stifte aus Holz. Welches ist ihr „Haupt“-Kunsthandwerk?

Das Arbeiten mit Holz – überhaupt alles, was mit dem Schreiben und mit Stiften zu tun hat – darum rankt sich alles. Angefangen hat es damit, dass ich alte Füller sammelte. Ich liebe es, mit Füller zu schreiben. Mit diesen alten, flexiblen Federn, die sich noch durchbiegen. Mit den Füllern kam auch die Lust am Schreiben zurück. Ich schreibe auch wahnsinnig gerne Briefe mit der Hand. Es gibt sogar eine richtig gute Community, die noch schreibt. Wenn ich einen handgeschriebenen Brief bekomme, ist es gleich etwas ganz anderes, als eine SMS oder Mail zu bekommen.

Sie schreiben Ihre Briefe also noch ganz „Old School“?

Ich schreibe meine Briefe und Karten von Hand. Ich habe verschiedene Füller dafür und verschiedene Tinten. Deshalb dachte ich mir auch irgendwann: Kann ich so einen Füller nicht selbst machen? So bin ich durch mehrere Zufälle auf dieses Handwerk gestoßen und habe mir das Anfertigen autodidaktisch beigebracht. Holz habe ich schon immer als Werkstoff gemocht. Es war nicht ganz einfach am Anfang, da nicht jedes Holz gleich ist und weil dafür auch richtig gutes Werkzeug gebraucht wird. Ich experimentiere zudem gerne mit verschiedenen Materialien wie Pappelholz oder Holz von einem 90 Jahre alten Eichenholz-Bierfass.

  • Verschiedene Hölzer zum Drechseln.
    Michael Schofer fertigt seine Stifte aus verschiedenen Hölzern. | Fotocredits: Juliane Pröll

Etwas selbst zu fertigen ist oft arbeitsintensiv und dauert mehrere Stunden. Was kosten Ihre handgemachten Stifte aus Holz?

Die Kugelschreiber fangen bei 25 Euro an, die teuersten liegen bei 100 Euro, weil die Verarbeitung aufwendig und das Holz sehr teuer ist. Mir ist wichtig, dass mein Holz aus zertifiziertem Anbau stammt. Deshalb kaufe ich meine Hölzer in Oelsnitz bei Plauen in einem Edelholzfachhandel. Ich arbeite nur mit Hölzern, die auch eingeführt werden dürfen und davon nur mit einer begrenzten Anzahl. Die Mechaniken, also die Metallteile für die Stifte, kaufe ich zu. Die stelle ich nicht selber her. Ich drechsle das Holz und setze am Schluss den Stift mit den Teilen zusammen.

Hauptberuflich sind Sie Diakon. Wie kamen Sie zum Kunsthandwerk?

Für mich ist das Handwerk ein Ausgleich. Wenn ich einen Tag mit mehreren Seelsorgegesprächen hatte – die sind auch nicht immer ganz einfach – dann gehe ich manchmal in den Keller und drechsle zwei bis drei Stifte. Aber nicht immer, ich habe ja auch noch Familie. Deshalb steckt in jedem meiner Stifte auch ein Stück Seele.

  • Die Drechselmaschine mit der die Rohlinge für die Stifte aus Holz bearbeitet werden.
    Die Drechselmaschine mit Abzug. | Fotocredits: Juliane Pröll

Fließen Ihre religiösen Erfahrungen auch in Ihre Bilder ein?

Es gibt Leute, die ihre religiösen Erfahrungen replizieren können. Da beinhalten die Bilder auch Glaubensaussagen. Aber damit bin ich vorsichtig. Ich trage das in meinen Gemälden nicht nach außen. Ich bin da eher skeptisch, ob es für mich das richtige wäre, das über meine Bilder nach außen zu transportieren. Meine Kalligraphie-Kartensprüche enthalten allerdings auch christliche Sprüche. Das sind Sprüche, die mir auch etwas bedeuten.

Woraus ziehen Sie die Inspiration für Ihre kreative Arbeit?

Aus dem Spaß und der Freude an der Arbeit. Manchmal sprechen mich Leute an, denen ich Stifte verkauft habe und die erzählen mir dann, dass sie jeden Tag damit schreiben oder dass der Stift besonders wertvoll für sie geworden ist. Am meisten freut es mich, wenn jemand richtig Freude an meinen Sachen hat. Das ist mir wichtiger als das Geld.

  • Polymer-Clay-Stifte
    Der Diakon und Kunsthandwerker probiert auch gerne neue Materialien aus – wie hier die Stifte aus Polymer Clay. | Fotocredits: Juliane Pröll

Würden Sie Vollzeit als Kunsthandwerker arbeiten?

Ich bin ganz zufrieden, wie es ist. Wenn ich jetzt im Lotto gewinnen würde oder finanziell unabhängig wäre, würde ich wahrscheinlich nur noch halbtags als Diakon arbeiten. Dann würde ich mir ein großes Haus kaufen und darin ein Atelier für meine kunsthandwerklichen und kreativen Arbeiten einrichten.

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Ein Traum von mir wäre, flexible Federn in meine Holzfüller zu verbauen. Aber die sind nicht kompatibel. Ich habe schon mit einem Federhersteller aus Nürnberg gesprochen, doch das Problem ist, dass es keinen Markt für die flexiblen Federn von früher gibt. Ansonsten würde ich gerne mehr Leute für das Schreiben begeistern, aber dafür bräuchte ich mehr Zeit.

Weitere Interviews findet ihr in der gleichnamigen Rubrik. Zu den Holz-Produkten von Michael Schofer wird auch bald ein Lieblingsstücke-Beitrag erscheinen.

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