Expressionismus & Lokalkolorit aus Franken

Ellipsen, Menschen als Musikinstrumente und Landschaften mit abstrakten Farben sind nur einige der Serienkonzepte, die Künstlerin Ilse Feiner schuf. Ihre Werke sind kreativ und meist farbenfroh. Damit steht ihre Kunst im Widerspruch zu ihrem „Vorleben“ zwischen Bleistift, Dokumenten und Schreibtisch.

Expressionismus: Pink Field
Pink Field | Fotocredits: Ilse Feiner

Vom Schreibtisch an die Staffelei



Denn Ilse Feiner war Beamtin, ihre Liebe zur Malerei entdeckte sie erst relativ spät. „Mit 30 Jahren bin ich sporadisch in Volkshochschul-Mal-Kurse gegangen“, sagt die 73-Jährige. „Da hatten wir einen guten Aquarell-Lehrer aus Nürnberg, der war selber Künstler und hatte einen Restaurationsbetrieb.“ Als der Lehrer aus Altersgründen die Kurse aufgab, wechselte sie nach Ansbach zu Kulturpreisträgerin Waltraud Beck. Dort lernte sie die Acryl-Technik und machte sich anschließend als Künstlerin selbstständig. „Ich war im Brotberuf noch halbtags beschäftigt und habe die freie Zeit zum Malen genutzt, seitdem auch immer Ausstellungen gemacht und es ernsthaft betrieben“, erklärt sie.

Künstlerin Ilse Feiner
Die Künstlerin Ilse Feiner. | Fotocredits: Ilse Feiner

Was hilft auf dem Weg nach oben?

An der Europäischen Kunstakademie Trier absolvierte sie ein Hauptstudium mit Zertifikat und absolvierte Fortbildungen. Zu einer ernsthaften, künstlerischen Arbeit gehört für sie Anerkennung von außen, aber auch kontinuierlich zu malen. „Da geht immer die Fähigkeit etwas zurück, wenn man Pausen einlegt“, sagt Ilse Feiner. „Man muss sich um Ausstellungen bemühen, auch in Kunstvereinen zu sein hilft auf dem Weg nach oben.“ Im Jahr 2005 gab sie ihren Beruf auf und widmete sich ganz der Kunst.

Expressionismus:
Am Wegrand | Fotocredits: Ilse Feiner

Ausstellungen trotz Corona



Ihre Werke finden sich in Einzelausstellungen wie in der städtischen Galerie Harderbastei in Ingolstadt, im Reitstadel Neumarkt und 2017 im Erlanger Kunstmuseum. Diese Ausstellungen verliefen für die Künstlerin erfolgreich. „Das passiert nicht immer“, gibt sie zu. „Es gibt auch Ausstellungen, da verkauft man gar nichts, was aber nichts über den Erfolg einer Ausstellung aussagt.“ Wegen Corona fiel im Mai 2020 eine neue Ausstellung in Forchheim aus, die wird aber nächstes Jahr nachgeholt. Die Ausstellung in Gera in der Galeria M1, zusammen mit weiteren KünstlerInnen aus dem Berufsverband Nürnberg, findet aber statt. Dort zeigt Ilse Feiner ihre neuesten Werke. Momentan beteiligt sie sich an der Ausstellung zu den Kaspar-Hauser-Festspielen im Kunsthaus Ansbach und in der Galerie des Kunstvereins Erlangen.

Plakativ: Polo 1
Polo 1 | Fotocredits: Ilse Feiner

Preise & Wettbewerbe

Auch Preise hat die Künstlerin schon gewonnen. Im Jahr 2003 nahm sie das erste Mal am Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten teil. Von 2005 bis 2018 war sie ununterbrochen dabei und bekam 2012 und 2014 jeweils einen der Kunstpreise der Nürnberger Nachrichten verliehen. Letztes Jahr gewann sie den ersten Platz bei „Kunst&Genuss rund ums Walberla“.

Bild Grace
Grace | Fotocredits: Ilse Feiner

Früher Expressionismus

An das erste verkaufte Bild kann sie sich nicht mehr erinnern. Dafür aber an das erste Bild, das sie gemalt hat. Es trägt den Titel „Am Lago di Garda“. Das Bild zeigt Häuser am See und Segelschiffe. „Das war noch, bevor ich zur Volkshochschule gegangen bin. Da habe ich mir Ölfarben gekauft und von einer Postkarte ein italienisches Motiv abgemalt“, berichtet Ilse Feiner. Das Werk befindet sich noch in ihrem Besitz.

Am Lago di Garda
Am Lago di Garda – Öl auf Leinwand | Fotocredits: Ilse Feiner



Zu viele Ideen

Inspiration für ihre Bilder findet sie genug. „Ich hätte im Moment Motive, ich könnte 100 Jahre malen. Ich habe zu viel Ideen. Ich kann die alle gar nicht verwirklichen“, sagt sie und lacht. „Da komme ich manchmal in Nöte, weil ich nicht weiß – mache ich jetzt das oder das?“
Vorbilder, die ihren Stil beeinflussten, hat sie dagegen nicht. Sie habe schon immer eigenständig gearbeitet und sich auch nicht vom Stil der Lehrer beeinflussen lassen. Ihren expressiven Stil mit den klar von einander abgegrenzten Flächen bezeichnet sie selbst als plakativ. „Das Plakative wird manchmal als negativ dargestellt, aber das ist es nicht“, sagt sie.

Roter Mohn von Ilse Feiner, Expressionismus
Roter Mohn | Fotocredits: Ilse Feiner

Flexible Konzepte

Ilse Feiner probiert mit ihrer Kunst viel aus und weicht oft von ihren bekannten Konzepten ab. „In einigen meiner Formen-Serien, da habe ich mit Ellipsen gespielt“, erklärt die Künstlerin. „Aus diesen Formen sind Bäume gewachsen.“ Die Vorserie davon umfasst wiederum 60 Bilder mit einer figürlichen, gegenständlichen Untermalung. Die Figuren sind dabei nur angedeutet. „Ich habe weggestrichen, stehenlassen und dazu gemalt – dadurch sind Fragmente entstanden“, führt Ilse Feiner aus. „Diese Serie liebe ich sehr, obwohl sie nicht ankommt. Der Künstler kann nicht alles verkaufen was er macht.“ Trotz des interessanten Konzeptes, steht die Serie fast vollständig in ihrem Lager.

36 a Ellipsoid Nr. 28 – Puzzle 
Ellipsen
36 a Ellipsoid Nr. 28 – Puzzle | Fotocredits: Ilse Feiner

Erotik sells

Die Bilder der Serie zu der das Bild „Der tote König“ gehört, sind mit Ölfarbe gespachtelt. Die Farbe wurde aufgetragen, wieder abgenommen und die Figuren herausgearbeitet. Die Bilder haben laut Ilse Feiner vor allem Männer gekauft. Sie vermutet, es liegt daran, dass die Serie leicht erotisch angehaucht ist. Auch wenn sich die Werke gut verkaufen, hält sie nie an einem Konzept fest. Ihre Konzepte wechseln oft mit den Serien. Die Werksmaterialien bleiben aber gleich. Meist, abgesehen von wenigen Projekten, malt sie mit Acrylfarbe, da diese schneller trocknet. Ihr Atelier hat sie sich im Keller ihres Wohnhauses eingerichtet.

Der tote König
Spachtelmasse und Acryl auf Karton
Der tote König – Spachtelmasse und Acryl auf Karton | Fotocredits: Ilse Feiner

„Die seinem Wesen entsprechende Aktivität“

Ilse Feiner ist eine von den Künstlerinnen, die nicht anders können. Deshalb ist ihr Motto auch ein Zitat von Karl Marx: „Der Künstler produziert aus dem gleichen Grunde Kunst, aus dem die Seidenraupe Seide produziert. Es ist die seinem Wesen entsprechende Aktivität.“ Auch der Spruch von Paul Heyne – „Nur eins beglückt zu jeder Frist: Schaffen wofür man geschaffen ist“ – liegt ihr sehr am Herzen.

Resli auf der Alm Expressionismus
Resli auf der Alm | Fotocredits: Ilse Feiner

Beglückender Expressionismus

„Meine Kunst beglückt mich und es ist ein Muss“, sagt sie. „Ich kann nicht anders. Das werden Ihnen viele Künstler sagen. Sie können nicht anders. Sie würden am liebsten immer, aber es geht halt nicht immer.“ Ilse Feiner malt deshalb auch fast jeden Tag und zwar Abends meist von acht bis elf Uhr. Malen ist ein wichtiger Teil ihres Lebens und sie hofft, dass sie ihre Kunst noch lange ausüben kann: „Man weiß nicht, wie lange es einem geschenkt ist, dass man das machen kann. Solange ich kann, möchte ich weiter Bilder malen.“ Das sie noch lange nicht genug hat, zeigt sie in der nächsten Ausstellung vom 15. August bis 20. September 2020 in der Galerie M1 in Gera.

Körper-Klang
Körper-Klang | Fotocredits: Ilse Feiner

Mehr Infos zu Ilse Feiner findet ihr auf ihren Websites. Auf Anfrage könnt ihr auch Drucke ihrer Gemälde bestellen. Weitere Artikel über Künstler und Kunsthandwerker gibt es in der Rubrik „Beiträge und Interviews“.

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