Die Kalligraphie-Künstlerin

Kalligraphie-Künstlerin Elfriede Schwalme

Kalligraphie-Künstlerin Elfriede Schwalme schreibt nicht nur auf Papier. | Fotocredits: Juliane Pröll

Der Geruch von Tusche liegt in der Luft. Das sanfte Licht der Nachmittagssonne fällt durch das Fenster am Arbeitstisch. Zwischen Pinseln, Schreibfedern und bunten Bildern, eingerahmt von fröhlichen gelben Wänden, hat eine alte Kunst Zuflucht gefunden – die Kalligraphie. In Deutschland waren im Mittelalter besonders die Handelszentren Nürnberg und Augsburg für die edle Schrift bekannt. Ihre Hoch-Zeit erlebte die Kunstform während der Renaissance und des Barocks. Danach ging es mit der Beliebtheit der Kalligraphie erst einmal bergab. Heute lebt sie in der Kunst weiter. Das momentan moderne Handlettering gibt ihr weiteren Auftrieb. Eine Künstlerin in Franken beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit dieser besonderen Form des Kunsthandwerks.

Pinsel und Kalligraphiefedern

Pinsel und Aquarellfarben gehören für Elfriede Schwalme ebenso zur Kalligraphie dazu wie Tusche und Schreibfedern. | Fotocredits: Juliane Pröll




„Da hat es mich ergriffen“

Vor über 15 Jahren begann Elfriede Schwalmes künstlerische Reise in die Kalligraphie. „Diese Kunst hat mich schon immer interessiert“, erklärt die 53-Jährige. „Eine Freundin erzählte mir damals von einem Kalligraphiekurs, den sie besucht hatte und der ihr sehr viel Spaß machte.“ Daraufhin nahm die Erzieherin am gleichen Kurs teil. Mit der Zeit summierten sich die von ihr besuchten Kurse und Workshops immer weiter auf. „Da hat es mich ergriffen“, sagt sie mit ihrer sanften Stimme. Die Kunst mit der Feder übt sie seitdem nebenberuflich aus. Auf Märkten verkauft die Künstlerin ihre handgeschriebenen Werke und fertigt Bilder oder Karten auf Anfrage.

Kalligraphie Leoprello rot

Ein von Elfriede Schwalme kreiertes Leporello. | Fotocredits: Juliane Pröll

Immer im Rhythmus bleiben

„Das Schreiben beinhaltet einen bestimmten Rhythmus. Es macht einen Unterschied, ob ich eine gerade Schrift schreibe oder etwas Geschwungenes“, sagt sie. Die geschwungenen Buchstaben malt Elfriede Schwalme am liebsten aufs Papier. „Kalligraphie muss nicht unbedingt lesbar sein“, so die Künstlerin. „Die Bewegung hinterlässt die Spuren und gibt den Rhythmus vor.“ Welche Schriftart ein Künstler wählt, hängt von der eigenen Vorliebe ab. Zudem kann der gleiche Schrifttyp verschiedene Ausprägungen haben. „Wenn ich die Kalligraphen kenne, kann ich ihre Werke meist gut zuordnen“, erklärt sie.

Arbeitstisch mit Kindergartenlogo

Einer der beiden Arbeitstische. Rechts ist das von der Künstlerin entworfene Logo für den Kindergarten zu sehen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Ein Logo für den Kindergarten

Ihre Inspiration zieht sie zum Beispiel aus Büchertexten, aber auch aus Zitaten oder Gedichten: „Ich greife Sachen aus der Natur oder aus Büchern auf. Daraus entsteht dann etwas Neues.“ Angefangen bei schwarzer Tusche kamen im Lauf der Jahre immer mehr Farben wie Aquarell- oder Acrylfarben dazu. Zusätzlich begann sie, kleine Bilder, Ornamente oder Symbole zur Schrift zu malen. Für ihren Kindergarten durfte sie sogar ein neues Logo entwerfen. Von der Idee zum fertigen Werk kann es mehrere Stunden oder einige Tage dauern – je nach Umfang des Auftrags beziehungsweise des Stückes.

Kalligraphiebild mit Holzspan

Kalligraphie-Werk mit Holzspan als Buchstabe „E“. | Fotocredits: Juliane Pröll


Das Geniale an der Kalligraphie

Mittlerweile gibt Elfriede Schwalme als Dozentin selbst Kalligraphie-Kurse an der Volkshochschule. „Die Abende sind für mich wahnsinnig schön“, so die Kalligraphin. „Die Kursteilnehmer haben Interesse und möchten lernen.“ Denn Geduld gehört beim Lernen der schönen Handschrift einfach dazu. Ebenso wie Konzentration. Denn viel Übung macht auch bei der Schrift den Meister: „Es ist schon mit einer gewissen Anstrengung verbunden, es fließt nicht einfach aus einem heraus“, sagt sie. Trotzdem gibt es auch Aspekte, die die Kalligraphie im Vergleich zu anderen Künsten vereinfachen. „Beim Malen hat man oft das weiße Blatt vor sich und muss sich überlegen, was man darauf malt“, erläutert Elfriede Schwalme. „Bei der Kalligraphie füllt sich das Blatt gleich mit Buchstaben. Das ist das Geniale daran.“

Kalligraphie

Stift, ein Blatt Papier und Tusche – mehr ist für den Anfang nicht nötig. | Fotocredits: Juliane Pröll

Die Feder für Anfänger

Wer Kalligraphie lernen möchte, dem legt sie nahe, mit einer Feder einzusteigen. „Damit kommt man besser in das Schreibgefühl hinein.“ Auch der Füllhalter „Parallel-Pen“ eignet sich gut für Anfänger. Zudem ist er praktischer für unterwegs. Die Künstlerin rät, mit der Tuschefeder schreiben zu lernen, da es den Schreibprozess durch das Nachfüllen der Feder im Tintenfass verlangsamt und dem Schreiben einen Rhythmus verleiht: Farbe nachfüllen, schreiben, Farbe nachfüllen, schreiben.

Kalligraphiefedern

Anfänger beginnen am besten mit der Feder. | Fotocredits: Juliane Pröll




„Gemischt“ lernen

Geschrieben wird von Anfang an „gemischt“ – auf Rechenblättern und auf dem leeren Papier. „Für die Frakturschriften kann man am Anfang Hilfslinien ziehen, ebenso bei der Englischen Schreibschrift“, empfiehlt die Künstlerin. „Aber es ist wichtig, immer wieder dazwischen auf einem leeren Blatt zu üben.“ Sie selbst benutzt keine Hilfslinien mehr. Anfänger sollten zuerst einen Kurs besuchen, da dort die Dozentin oder der Dozent bei Problemen helfen kann. „Manchmal passt die Feder nicht oder sie ist falsch eingestellt, dann fließt zu viel oder zu wenig Tusche“, führt sie aus.

Kalligraphie Arbeitstisch

Der Arbeitstisch der Künstlerin. | Fotocredits: Juliane Pröll

Der Charme des Uneinheitlichen

Das Uneinheitliche verleiht der Kalligraphie ihr zufolge einen besonderen Charme: „Wenn es doch ein bißchen krumm wird, gehört das dazu. Davon lebt diese Kunst. Es ist eben handgeschrieben.“ Momentan arbeitet sie aber am liebsten mit dem Pinsel: „Das reizt mich gerade, das ist ganz anders als mit der Feder und eröffnet neue kreative Gestaltungsmöglichkeiten.“ Das derzeit angesagte Handlettering sieht die Künstlerin als einen Einstieg ins Schreiben, da es mehr mit der eigenen Handschrift kombinierbar ist. Zuerst Handlettering zu lernen und danach die Englische Schreibschrift, hält sie für einen guten Weg in die Kalligraphie, denn: „Beim Handlettering lernen die Schüler bereits den dünnen Haarstrich nach oben und den Schwellstrich nach unten.“

Regal im Arbeitszimmer der Künstlerin

Pinsel im Arbeitszimmer. Auch die Etiketten sind mit Kalligraphie beschriftet. | Fotocredits: Juliane Pröll

Die Sache mit Links

Elfriede Schwalme ist umgelernte Linkshänderin. Für ihre Kunst ein großer Vorteil. Linkshänder können bei der Kalligraphie durchaus Probleme haben. Das liegt an der Richtung der Feder. Die Verstärkung sitzt bei Linkshändern, die mit einer normalen Feder schreiben, an der falschen Stelle. Doch auch dafür gibt es eine Lösung: Schreibfedern für Linkshänder gibt es in Online-Shops und auch in gut sortierten Schreibwarenläden.

Kalligraphie Holzobjekt

Ein Kalligraphie-Holzobjekt von Elfriede Schwalme mit einem Zitat von Kurt Tucholsky. | Fotocredits: Juliane Pröll

Die Künstlerin schreibt und malt derzeit gerne auf Holz, da ihr Mann sich für Holzarbeiten begeistert und selbst in seiner Freizeit als Hobby-Schreiner Werkstücke fertigt. Momentan arbeitet sie unter anderem an beschrifteten Holzgewürzboxen. Ein zukünftiges Projekt soll die kalligraphische Beschriftung von Kleidung sein. Bisher gibt es dafür allerdings nur zwei „Prototypen“ – ein T-Shirt und eine Hose. Vielleicht aber bald mehr.

Weitere Infos sowie die Kontaktdaten von Elfriede Schwalme findet ihr auf ihrer Website. Mehr Beiträge zu Kunsthandwerkern und deren Kreationen gibt es in unserer Rubrik „Beiträge & Interviews“.

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