Der Menstruationsladen – eine Erfolgsgeschichte mit genähten Stoffbinden

Almo Logo im Menstruationsladen
Logo im Menstruationsladen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Wie kann ich als die ‚Selbermacherin‘ mein Produkt abgeben?

Am Anfang nähte sie die Binden noch selbst und brachte sie auf Märkten und Messen unter die Frauen. Doch nach ein paar Monaten wurde ihr schnell klar, dass einfach zu viel Arbeit anfiel: „Ich habe gemerkt, dass ich meine Verbreitung etwas stoppe. Denn wenn es anläuft, dann sitze ich den ganzen Tag an der Nähmaschine und nähe nur noch Binden. Mir war klar, dass es nicht meine Lebensaufgabe ist, den ganzen Tag Binden zu nähen.“ Trotzdem sträubte sie sich dagegen, ihr Produkt von jemand anderem herstellen zu lassen.

„Das ist mein Produkt und das muss ich doch selber nähen“, so Stefanie Wagner. „Also wie kann ich als die ‚Selbermacherin‘ mein Produkt abgeben?“ Doch gerade der enorme Arbeitsaufwand hielt sie davon ab, ihr Produkt weiter in die Öffentlichkeit zu bringen. Deshalb fasste sie einen Entschluss und fand eine Näherei, die mit ihr gemeinsam wuchs. Der Betrieb schaffte zudem extra Nähmaschinen für die Binden an. Dort werden die Stoffbinden nicht nur genäht, sondern auch mit Motiven wie der Venus von Willendorf oder dem Venuszeichen bestickt.

Thema Menstruation soll sichtbar sein

Der Menstruationsladen mit Stoffbinden Regal
Im Laden sind die Produkte übersichtlich präsentiert. Die runden Stoffpads am Ladentisch sind Abschminkpads. | Fotocredits: Juliane Pröll



In den sechs Jahren, in denen sie sich nun schon im Geschäft befindet, hat sie bisher circa 30.000 Binden verkauft. ALMO ist zu ihrem Vollzeitjob geworden. Pünktlich zum Altstadtfest im Juni 2019 öffnete das bisher weltweit wahrscheinlich einzigartige Geschäft das erste Mal seine Tür. Denn Standort in der Ansbacher Innenstadt überlegte sie sich vorher genau: „Ich wollte, dass das Thema sichtbar ist. Das sollte keine so versteckte Geschichte werden.“

Menstruationsladen Schaufensterseite
Auch an die Mütter ist gedacht: Gegenüber von der Ladentheke befindet sich ein gemütliches Sofa und ein Tisch mit Kinderspielzeug. | Fotocredits: Juliane Pröll

Das Ziel hat sie auf jeden Fall erreicht: „Jeder hat den Laden gesehen und ich glaube, ganz Ansbach redet über den Menstruationsladen“, sagt sie. „ Das ist ja mein Ziel. Ich will, dass wir drüber reden. Mein erstes Ziel war gar nicht, in Ansbach großartig viel zu verkaufen. Ich habe nicht mit viel Umsatz gerechnet und bin sehr überrascht. Ich verkaufe jetzt schon mehr, als ich mir in zwei Jahren erhofft hätte.“ Interessanterweise seien die Männer meist weniger schambehaftet als die Frauen, was das Thema Menstruation angeht, erzählt sie. Im Laden können Kundinnen neben den Stoffbinden auch andere ALMO-Produkte wie wiederverwendbare Abschminkpads, Wetbags und Stilleinlagen kaufen.

Blut oder Blase? – Stoffbinden für alle

Menstruationstassen
Zusätzlich zu ihren eigenen Produkten verkauft Stefanie Wagner auch andere Menstruationsartikel wie -Tassen oder -Schwämmchen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Die meisten ihrer Kunden kommen aus Ansbach und der näheren Umgebung. Die Kunden, die den Weg in ihren Laden finden, decken eine breite Altersgruppe ab. Auch Frauen mit Blasenschwäche nutzen ihre Produkte. „Ganz viele Frauen haben nach der Schwangerschaft keine so dolle Blase mehr“, führt Stefanie Wagner aus. „Vielleicht, weil sie kein Beckenbodentraining machen. Die schwache Blase ist schon ein großes Thema und ich glaube, dass die Hälfte meiner Binden an schwache Blasen gehen.“ Skeptikerinnen finden sich in ihrem Geschäft selten. Die meisten erkundigen sich online, bevor sie vorbeischauen. Meistens sind es Fragen über das Waschen der blutigen Binden, die die Frauen umtreiben.

Bestickte Stoffbinden
Die bestickten Binden sind bisher in drei Varianten erhältlich: (v. l.) stilisierte Venus, die berühmte Venus von Willendorf und das Venuszeichen. | Fotocredits: Juliane Pröll



„Man muss meine Binden nicht mal kalt auswaschen“, so die Ladeninhaberin. „Wir haben alle schon unsere blutigen Unterhosen mit der Hand ausgewaschen. Wenn man das als Beispiel sagt, dann merkt man so wie es rattert im Kopf: Ach ja, stimmt, so schlimm kann es gar nicht sein.“ Auch der Geruch ist ein großes Thema, schließlich müssen die Binden bis zum Waschen gesammelt werden. Aber: „Stoffbinden stinken nicht. Das tun sie nur, wenn ich sie in der Plastiktüte luftdicht verpacke“, erklärt Stefanie Wagner. „Dann fangen sie schon nach einigen Tagen das Riechen an. Aber wenn ich sie trocknen lasse, dann nicht.“ Für unterwegs gibt es in ihrem Laden wasserdichte Wetbags, in die die gebrauchten Binden gesteckt werden können.

Crowdfunding für Periodenslips

Auch eine erfolgreiche Crowdfunding-Aktion für Periodenslips hat die Unternehmerin hinter sich. Den Schnitt für die Slips entwickelte sie gemeinsam mit einer Dessous-Maßschneiderin aus Oldenburg. Sobald das Geld da ist, muss sie erst einmal um die 300 Slips für ihre Crowdfunder herstellen und ausliefern. Dann wird der Vorrat im Laden aufgestockt. Ständig neue Produkte zu entwickeln, ist aber nicht ihr Plan. Dafür soll es weitere Stickmuster für die Binden geben.

Muster Periodenslip
Ein Prototyp der Periodenslips. | Fotocredits: Juliane Pröll

Pläne für die Zukunft hat sie bereits. Im Laden soll es Vorträge zu verschiedenen Themen rund um die Menstruation wie Blutung für Mädchen, Wechseljahre, schwacher Beckenboden und vieles mehr geben. Auch ein monatlicher Frauenkreis ist geplant. Stefanie Wagner wünscht sich vor allem eines: „Kommt in den Laden und überzeugt euch, wie cool Menstruation ist.“

Mehr Infos zum Menstruationsladen und den Produkten sowie einen Online-Shop findet ihr auf der ALMO-Website. Der Laden befindet sich in der Kannenstr. 16 in 91522 Ansbach. Öffnungszeiten: Mi. 10 bis 18 Uhr und Sa. 10 bis 13 Uhr.

In der Rubrik „Beiträge & Interviews“ findet ihr weitere interessante Artikel rund ums Kunsthandwerk.

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