Der Menstruationsladen – eine Erfolgsgeschichte mit genähten Stoffbinden

Stefanie Wagner im Menstruationsladen mit Stoffbinden
Stefanie Wagner in ihrem Menstruationsladen. Neben ALMO-Artikeln verkauft sie auch Bücher zu den Themen Weiblichkeit, Geburt und Menstruation dort. | Fotocredits: Juliane Pröll

In Stefanie Wagners Menstruationsladen ist der Name Programm. In dem kleinen Shop in Mittelfranken dreht sich alles um Periodenprodukte, vor allem um ihre eigene Marke ALMO. Die Abkürzung steht für „ALternative MOnatshygiene“. Das ALMO-Sortiment umfasst Stoffbinden und andere genähte Stücke, die frau braucht.

Eine zukunftsweisende Entscheidung

Schon früh war die Unternehmerin auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs. Damals allerdings noch mit einem anderen Produkt. Sie verkaufte bereits vor 15 Jahren selbstgefertigte Holzfiguren wie Weihnachts- oder Schneemänner auf den Märkten. Die Stücke schnitt sie mit der Laubsäge aus und bemalte sie. Später wechselte sie die Sparte und lernte nähen. Diese Entscheidung sollte ihre berufliche Laufbahn entscheidend prägen.

Figur im Menstruationsladen
Eine positive Einstellung zur Weiblichkeit ist im Laden Programm. | Fotocredits: Juliane Pröll



„Irgendwie kam es, dass ich nähen wollte“, sagt die 37-Jährige. „Die Idee war, dass ich für mich Kleidung nähen kann. Ich bin ein bißchen stärker und finde einfach total schwer coole Klamotten.“ So hielt eine Nähmaschine Einzug im Wagnerschen Haushalt und die Kunsthandwerkerin belegte einen Nähkurs im fast 50 Kilometer entfernten Dinkelsbühl. Ganz so einfach gestaltete sich das neue Handwerk allerdings nicht. „Ich habe eine Tunika gemacht und ungefähr vier Abende gebraucht – ein Abend ging zwei, drei Stunden – nur um so ein Oberteil zu nähen.“

Stoffbinden für die Menstruation?

Stoffbinden für die Menstruation im Menstruationsladen
Die Stoffbinden gibt es in verschiedenen Farben und Größen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Sie gab das Nähen auf und fertigte stattdessen gewalkte Röcke und Tunikas für den Verkauf. Durch die Verwendung von Bio-Baumwollstoffen und -wolle war ein Stück allerdings relativ teuer und das Umnähen für Kunden kostete Zeit. „Bis ich den Rock dreimal umnähe, ist das viel zu viel Aufwand“, erklärt sie. Deshalb kam auch die Herstellung der gewalkten Kleidung für die gelernte Einzelhandelskauffrau und Dorfhelferin auf Dauer nicht in Frage. „Es war aber auch die Zeit, in der ich das erste Mal Stoffbinden ausprobiert habe“, sagt Stefanie Wagner. Vorher testete sie bereits die Menstruationstasse. Die kam bei ihr aber nicht gut an. „Ich mag keinen Tampon, ich mag keine Tasse, ich mag einfach nichts eingeführt während meinen Tagen“, erklärt sie. „Ich bin der Meinung, das Blut muss rauslaufen.“

Vorurteile in den Köpfen

Alles rund ums Thema Menstruation findet sich im Laden.
Der Laden von außen. Manchmal ist die Unternehmerin auch außerhalb der Öffnungszeiten dort anzutreffen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Ihre Erfahrung zeigt, sagt sie, dass viele Frauen lieber Binden nutzen würden, die meisten aber nicht darüber sprächen. „Es ist so in den Köpfen. Man traut sich gar nicht sagen, ich trage Binden“, sagt sie. „Man denkt – dachte ich früher auch – dass alle Tampons nehmen. Die Erfahrung auf den Messen und im Laden ist aber: Ich verkaufe 95 Prozent Binden. Es ist unglaublich. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass es so krass ist. Aber ich verkaufe echt viele Binden.“

Viele ihrer Kunden fänden Tampon oder Tasse unangenehm, so Stefanie Wagner. Frauen ab 30 oder Frauen, die bereits Kinder hätten, würden sich oft gegen Tampons entscheiden. „Das hat nichts damit zu tun, dass bei Frauen nach der Geburt irgendetwas anders ist“, stellt sie klar. „Ich glaube, wir sind einfach schlauer und haben ein besseres Gefühl für unseren Körper.“

Stoffbindensortiment im Menstruationsladen
Neben Stoffbinden können Kunden im Laden auch Stilleinlagen, Wetbags, Abschminkpads und Multifunktionstücher der Marke ALMO kaufen. | Fotocredits: Juliane Pröll



Bei ihrem eigenen Versuch, ihre Monatshygiene-Produkte auf Stoffbinden umzustellen, testete sie zehn verschiedene Marken von Stoffbinden. Doch die von ihr gekauften Produkte schnitten nicht gut ab. Die Stoffbinden hatten entweder keinen Auslaufschutz oder waren nach mehrmaligem Waschen bereits so zerknautscht, dass sie nicht mehr in die Unterhose gelegt werden konnten. Andere waren „rauh wie Schleifpapier“. Nach drei Monaten landeten Binden im Wert von 200 Euro im Mülleimer. „Ich habe mich so geärgert“, erzählt sie. „Aber dann ist mein Selbermacherinnen-Feuer entfacht und ich dachte mir, das mache ich anders und besser.“

Der Weg zur „perfekten“ Stoffbinde

Tasche mit Schriftzug
Das Motto der ALMO-Binden. | Fotocredits: Juliane Pröll

Sie entwarf Schnittformen und probierte verschiedene Materialien für ihre Binden aus. Mikrofaser kam für sie wegen der Nachhaltigkeit nicht in Frage und herkömmliche Baumwolle fühlte sich beim Tragen zu naß an. Ungefähr zwei Jahre dauerte es, bis ihre „perfekte“ Binde fertig war. „Als es soweit war, war das so ein geiles Gefühl in der Hose, dass ich es jeder Frau auf der ganzen Welt wünschte“, erzählt sie. „Da war meine Mission geboren.“ Für das Testen der Prototypen benötigte sie Freiwillige. „Da stellte sich mir schon die Frage, wenn ich mich überhaupt fragen traue“, so Stefanie Wagner. Doch die Sorge war unbegründet. Einige ihrer Freundinnen stellten sich als Testerinnen zur Verfügung.

Nachhaltige Stoffbinden mit Bio-Baumwolle

Stoffbinden Tangaeinlagen
Auch Tanga-Stoffeinlagen sind erhältlich. | Fotocredits: Juliane Pröll

Bei ihren Produkten legt Stefanie Wagner vor allem Wert auf hochwertiges, weiches Material. Die ALMO-Binden bestehen deshalb aus Bio-Baumwolle. Den Stoff dafür lässt sie extra fertigen. „Die Binden sollen atmungsaktiv, weich und waschbar bei 95 Grad sein“, erläutert sie das Produkt-Konzept. „Bei mir ist alles kuschlig, egal ob Taschentuch, Binde, Kopfkissen oder Wärmflasche.“ Eine herkömmliche Binde aus dem Supermarkt oder der Drogerie besteht überwiegend aus Plastik, etwas Zellstoff und Baumwolle. Nachhaltig ist das nicht. Diese Binden brauchen aufgrund des hohen Plastikanteils lange bis sie verrotten. Genaue Angaben gibt es nicht, aber eine Plastiktüte zersetzt sich nach ungefähr 10 bis 20 Jahren, eine PET-Flasche benötigt circa 450 Jahre. Dann hat sich das Plastik allerdings nicht aufgelöst, sondern zu Mikroplastik zersetzt. Eine ALMO-Binde hält Stefanie Wagner zufolge um die 10 Jahre und besteht aus natürlichem Material.

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