Der Blaufärber | Handwerkerstuben Feuchtwangen





Blau-weiß gefärbte Stoffe, ein großer Bottich und jede Menge Modeln: In den Handwerkerstuben Feuchtwangen wird Besuchern das alte Gewerk des Blaufärbers näher gebracht. Er färbte Stoffe für Kleidung, aber auch für Tischwäsche und andere Stoffprodukte. „Der Blaufärber war früher ein sehr hoch angesehener Handwerksberuf“, berichtet Sabine Bachmann, Mitarbeiterin der Handwerkerstuben Feuchtwangen. „Die Produkte konnte sich nicht jeder leisten.“ Die Stoffe aus Leinen, Seide oder Baumwolle bedruckte der Handwerker mit dem Reservedruck, heute auch Batik genannt. „Das weiße Tuch wurde an den Stellen, an denen Muster zu sehen sind, mit Weisspapp abgeklebt“, erklärt Sabine Bachmann. Die Masse bestand unter anderem aus Pfeifenerde, Grünspan, salpetersaurem Blei, Bleizucker und Gummi Arabicum. Die Weisspapp-Masse wurde auf Holzmodeln gestrichen, die der Handwerker dann wie ein Stempel auf das weiße Tuch drückte.

  • Model eines Blaufärbers für Reservedruck
    Mit dieser Model ...

Kochen mit Kugeln

„Damit man die Übergänge von Model zu Model nicht sah, mussten die Blaufärber beim Auftragen des Weisspapp sehr akkurat arbeiten“, erklärt sie. Für die Farbe benutzte der Handwerker getrocknete Pflanzen, die er vorher zermahlte. Anschließend tauchte er das Tuch in das Farb-Gemisch. Die Färbekessel, in denen die Stoffe gefärbt wurden, waren früher aus Beton und in der Erde eingelassen, so Sabine Bachmann. Im Museum konnte das auf diese Weise nicht dargestellt werden, deshalb wird das Handwerk mit einem Holzbottich gezeigt. Im Kessel wurden die Tuche zusammen mit Kugeln gekocht. Durch die Kugeln im sprudelnden Wasser zerrieb sich das Pflanzenpulver noch mehr und verteilte sich gut im Wasser. Das Weisspapp wurde nach dem Trocknen abgenommen und heraus kam ein blaues Tuch mit weißem Muster.

Waidpflanze, Urin und Indigo

Das Blau gewannen die Bläufärber in Deutschland ab dem 13. Jahrhundert mit der Waidpflanze, später mithilfe der Indigo-Pflanze. Das größte Anbaugebiet des sogenannten Färberwaids befand sich damals in Thüringen. Die Färbeflüssigkeit, die die Handwerker herstellten, stank allerdings furchtbar, da das Waid mit Urin vergoren wurde. Auch das Blaudruck-Verfahren war zu dieser Zeit in Deutschland noch unbekannt.




Um 1600 gelangte die Indigopflanze zusammen mit dem Handwerk des Reservedrucks durch den Handel der niederländischen Ostindien-Kompanie nach Europa. In Indien färbten die Menschen damit unter anderem Stoffe wie Baumwolle und Seide. „Die Pflanze und deren Extrakt sind gelb“, erklärt die Museumsangestellte. „Erst durch Oxidation mit Sauerstoff verändert sich die Farbe zu einem Blauton.“ Die Bezeichnung Indigoblau ist vielen heute immer noch ein Begriff. Jeremias Neuhofer aus Augsburg gilt als der erste Blaudrucker in Deutschland, der mit Indigo färbte. Nach und nach stiegen auch die anderen Blaufärber auf Indigo um, da die Pflanze, verglichen mit Färberwaid, die 30-fache Menge an Farbstoff entlässt und ein Färbeverfahren mit kaltem Wasser ermöglichte.

Der Blaufärber: ein UNESCO-Weltkulturerbe?

„Der Blaufärber fing in der Regel Dienstags zu arbeiten an. Bis Freitag erledigte er die schwierigeren Arbeiten wie Weisspapp anfertigen und Stempel setzen. Am Wochenende wurde dann gefärbt und am Montag hatte er nichts zu tun – deshalb hat er am Montag blau gemacht“, weiß Sabine Bachmann. Daher kommt die auch heute noch verwendete Redensart „blaumachen“. Heutzutage finden sich nur noch wenige Blaudruck-Werkstätten in Deutschland, einige davon in Sachsen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verdrängte das Gewerbe zum größten Teil aus der Handwerkslandschaft. Deshalb ist das Verfahren momentan als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO nominiert. Ob es in die Liste aufgenommen wird, entscheidet sich Ende 2018.

Einen schönen Einblick in das Handwerk des Blaudrucks gibt das YouTube-Video der Blaudruckerei Wagner aus Bad Leonfelden, Österreich:



Wer sich selbst ein Bild von den Gewerken in den Handwerkerstuben in Feuchtwangen machen möchte, findet weitere Infos auf der Webseite der Stadt Feuchtwangen. Weitere Beiträge zu historischem Handwerk findet ihr in unserer gleichnamigen Rubrik.

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