Pop-ups – Geschichte(n) zum Aufklappen

Pop-up Thema Kunst
Nicht nur für Kinder: Dieses Pop-up setzt sich mit dem Thema Kunst auseinander. | Fotocredits: Juliane Pröll

Ihre Geschichten erzählen Märchen, erklären historische Ereignisse oder unterhalten uns mit erfundenen Geschichten. Ihr ganzer Zauber entfaltet sich aber erst beim Aufklappen der Seiten. Im Städtischen Museum Zirndorf dreht sich derzeit eine Sonderausstellung um eine ganz besondere Art von Büchern – um Klappbücher, auch genannt „Pop-ups“. Der Großteil der ausgestellten Falt-Literatur stammt aus der Sammlung Gerhard Langners. Ungefähr 90 Bücher lieh er dem Museum aus. Einige andere Exponate wurden vom Museum dazu gekauft. Auch die Buchhandlung Bücherstube in Zirndorf steuerte ein paar Klappbücher bei.

Gerhard Langner u Christine Lorber im Städt. Museum
Sammler Gerhard Langner und Museumsleiterin Christine Lorber in der Sonderausstellung. | Fotocredits: Juliane Pröll



Nicht nur für Kinder

Pop-ups gelten für viele immer noch als Kinderbücher, als Spielzeug, nicht besonders ernst zu nehmen. Dabei bedienten die Pop-ups von Anfang an Themen für Erwachsene. Bereits im Mittelalter lasen vor allem Menschen der Oberschicht in den handgeschriebenen Vorreitern der Klappbücher. Damals wurden damit zum Beispiel astrologische, medizinische oder technische Themen den erwachsenen Lesern erklärt. Auf seiner Webseite schreibt Journalist und Sammler Hans Hartung, dass die Mechanismen eines Klappbuches mit Klappen, Ziehstreifen und Drehscheiben noch vor der Erfindung des Buchdruckes existiert haben. Nachweis dafür ist unter anderem ein Buch des Benediktinermönches Matthew Paris aus dem 13. Jahrhundert. In dem Buch befindet sich eine Drehscheibe.

Pop-up Titanic
Dieses Buch befasst sich mit der Geschichte des berühmten Ozeanriesen Titanic. | Fotocredits: Juliane Pröll

Als das Pop-up verschwand

In Deutschland waren laut Museumsleiterin Christine Lorber die Pop-ups bis zum ersten Weltkrieg in Mode. “Da gab es noch nicht so viel Spielzeug, wie wir es heute kennen“, so die Leiterin. „Spielzeug war mehr etwas für reichere Bürger.“ Mit einem Klappbuch aber, konnten viele Kinder etwas anfangen. Von 1918 bis 1933 bekam das Pop-up noch einmal einen kurzen Aufschwung bei uns. „Danach konnte es allerdings nie mehr so wirklich in Deutschland Fuß fassen“, so Lorber.

Das Puppenhaus Klappbuch
„Das Puppenhaus“ ist ein Kinderbuch von Lothar Meggendorfer. Es zeigt einen Haushalt der Mittelschicht. Eine Besonderheit. Denn normalerweise wurden in Puppenstuben die Räumlichkeiten der reicheren Bevölkerung dargestellt. | Fotocredits: Juliane Pröll

Lothar Meggendorfer & sein Preis

Der einzige deutsche Verlag, der heute noch Klappbücher herausgibt, ist der Thienemann-Esslinger Verlag. Das Verlagshaus veröffentlicht auch Reprints der historischen Bücher von Lothar Meggendorfer, dem wohl bekanntesten deutschen Klappbuchmacher. “Er hat die ersten Klapp-Kinderbücher für seine Kinder gemacht”, erklärt Sammler Gerhard Langner. “Im Laufe der Zeit wurde die Mechanik, die er anwendete, immer komplizierter. Er hat mit Drähten gearbeitet, nicht nur mit Papier – alles versteckt zwischen zwei Buchseiten.”

Pop-up Theaterbilderbuch
Das Theater-Bilderbuch aus dem Jahr 1878 von Schriftsteller Franz Bonn. Es zeigt verschiedene Szenen wie Rotkäppchen, die Weihnachtsgeschichte und diese feierliche Szenerie des Weihnachtsabends. Dazu wird auf der unteren Seite die Geschichte erzählt.| Fotocredits: Juliane Pröll.



In England und Amerika blieb das Interesse an den Büchern auch nach dem zweiten Weltkrieg bestehen. In den USA wird sogar jährlich der Meggendorfer-Preis für das beste Pop-up-Buch verliehen. Im englischsprachigen Raum erscheinen schätzungsweise bis zu der 500 Pop-ups jedes Jahr, in Deutschland sind es dagegen nur wenige. Die meisten Klappbücher, die in deutscher Sprache erscheinen, sind zudem Übersetzungen englischer Bücher. In der Ausstellung können Besucher mehrere Bücher aufklappen und die Mechaniken ausprobieren. Videos, die weitere Klappbücher zeigen, sind ebenfalls zu sehen.

Pop-up Hogwarts
Natürlich darf Harry Potter bei den Pop-ups nicht fehlen. Hier ist die Zaubererschule Hogwarts zu sehen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Faszination Klappbuch

Seit circa 20 Jahren sammelt Gerhard Langner nun Pop-up-Bücher. Angefangen hat er aus Neugier als er das erste Klappbuch in die Hand bekam: “Ich klappte es auf und fragte mich, wie es funktioniert. Da zieht man und dann bewegt sich das nach oben, nach unten, nach links, nach rechts”. Ein Lieblingsbuch oder ein bevorzugtes Thema hat er nicht. Seine Bücher stammen aus allen Genres. Die “Black Pearl” mag er aber sehr gerne. “Man glaubt nicht, dass es ein Buch ist”, so Langner. “Mittlerweile sammle ich die komplizierter gestalteten Bücher. Diese Bücher interessieren mich, weil ich wissen will, wie sie funktionieren.“

Pirates of the Carribean Klappbuch
Die „Black Pearl“, das Schiff aus der „Fluch der Karibik“-Filmreihe gibt es ebenfalls als Pop-up. Es ist ausgeklappt 50 cm lang und 33 cm hoch. | Fotocredits: Juliane Pröll



Mechanik zwischen zwei Buchseiten

Deshalb zerlegt er einige der Bücher und repariert kaputte Pop-ups. Das erfordert viel Wissen und Geschick, den in den Büchern steckt jede Menge Technik wie Schiebe-, Dreh- und Klappmechanismen. Gegenläufige Bewegungen seien die kompliziertesten Techniken, die es bei Pop-ups gibt, so der Experte. “Man zieht und die Bewegung geht nicht parallel zum Ziehen, sondern bewegt sich nach oben oder nach unten oder in die Gegenrichtung. Da steckt sehr viel Mechanik dahinter”, führt Gerhard Langner aus. Hinter der Mechanik stecken zum Beispiel Drehscheiben oder Naben aus Papier.

Klappbuch von Elizabeth Murray
Diese Klappbuch von der Künsterlin Elizabeth Murray entstand in Zusammenarbeit mit dem Paperengineer Bruce Foster. Murray war ein Pop-Art-Künstlerin, die minimalistische mit surrealistischer Kunst mischte. | Fotocredits: Juliane Pröll

Hergestellt werden die meisten Bücher in China oder anderen Billiglohnländern in Handarbeit, aber auch die maschinelle Produktion nimmt immer mehr zu. “Die Ideen kommen zur Zeit meistens aus Amerika”, so Langner. Dort sitzen die Paperengineers. So heißen die Techniker, die die Bücher entwickeln.

Handbuch
In einer Vitrine sind Seiten aus dem Handbuch für Paperengineers „Das Pop-up-Handbuch“ zu sehen. Darin wird erklärt, wie verschiedene Elemente der Klappbücher gefertigt werden. | Fotocredits: Juliane Pröll

How-to-Pop-up

Wer sich gerne mit dem Handwerk der Klappbücher beschäftigen möchte, kann das Handbuch für Paperengineers „Das Pop-up-Handbuch“ zu Rate ziehen oder nach Anleitungen im Internet suchen. Robert Sabuda, ein amerikanischer Paperengineer, stellt auf seiner Webseite unter der Rubrik „Make your own pop-ups“ Schritt-für-Schritt-Anleitungen online.

Das Buch und einige andere gibt es zum Beispiel auf Amazon (Affiliate-Links):

Das Pop-up-Handbuch: Basiswissen für angehende Pop-up- Künstler und Papieringenieure

Playing with Pop-ups

Alle, die lieber gucken statt basteln, finden die Ausstellung „Pop-ups – KlappWunder aus Papier“ noch bis 22. September 2019 im Städtischen Museum.

Aufklappbare Schneekugeln
Schneekugeln im Klappformat. | Fotocredits: Juliane Pröll

Anschrift:
Spitalstr. 2 – 90513 Zirndorf
Tel.: (0911) 96 060 59-0
E-Mail: museum@zirndorf.de

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag 11.00 – 16.00 Uhr

Weitere Infos zur Sonderausstellung, Anfahrt und Eintrittspreisen findet ihr auf der offiziellen Museumswebseite.

Mehr zu Sammler und Künstler Gerhard Langner erfahrt ihr auf seiner Webseite.

Weitere Beiträge gibt es wie immer hier unter der Rubrik „Beiträge & Interviews“.

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