Interview mit Angela Holzmann – farbenfrohe Stoffkreationen

Kunsthandwerkerin Angela Holzmann. Nähen ist ihr Leben.

Angela Holzmann kreiert seit November 2015 Taschen, Armstulpen und Kleidung mit Nadel und Faden. Im Interview verriet sie, wie sie zum Kunsthandwerk kam, ob sie von ihrer Leidenschaft, dem Nähen, leben kann und welche Hindernisse sich ihr dabei in den Weg stellen.

Was bedeutet das Nähen für Sie?

Für mich bedeutet es, meine Fantasie auszuleben und kreativ zu sein.

Ist Ihr Kunsthandwerk Arbeit oder Spaß für Sie?

Für mich ist es mein Leben. Es gibt für mich nicht die Teilung von Arbeit und Freizeit. Wenn ich Lust habe und nicht gerade viele Termine anstehen, dann nähe ich. Ich kann im Sommer auch unter der Woche einfach mal rausgehen, wenn das Wetter schön ist. Wenn Sonntags alle Spazierengehen wie beim Männlein laufen, dann bin ich daheim und arbeite.

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für das Nähen entdeckt?

Ich nähe schon, seit ich 12 bin und das ist auch immer in meinem Leben geblieben. Ich habe entweder für mich genäht oder für andere. Im Jahr 2009 habe ich mich selbstständig gemacht, mit Kleidung nähen und Änderungen. Ein Jahr ist es gut gelaufen, dann kam ein Cut, da die Aufträge weniger geworden sind. Da wusste ich, irgendetwas musste ich unternehmen. Ich habe dann den Sommer über im Biergarten gearbeitet und im Winter bin ich zu einem Event-Service gegangen. Das ging so bis 2012. Danach musste ich krankheitsbedingt aussetzen. Im Jahr 2015 habe ich wieder mit Nähen angefangen, weil ich sehen wollte, ob es funktioniert. Für mich ist das Nähen eine Art Beschäftigungstherapie, da ich schon immer kreativ war und viele Ideen hatte.

Nähutensilien auf dem Tisch von Kunsthandwerkerin Angela Holzmann

Angela Holzmann näht bereits, seit sie 12 Jahre alt ist.

Hatten Sie vor Ihrer Selbstständigkeit einen anderen Beruf?

Ich war früher in der Versicherung tätig. Das ist etwas, was ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen kann. Das ist trocken und nüchtern, das macht mir keinen Spaß mehr. Mit meinem Kunsthandwerk kann ich meine Kreativität ausleben. Ich bin gerne mit anderen Menschen zusammen und ich lerne gerne andere Menschen und Orte kennen. Das kann ich alles damit verbinden.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Arbeit?

Während der Marktzeit, Mitte September, habe ich jeden Tag genäht. Es gab keine Freizeit mehr. Da war auch Samstag und Sonntag nur arbeiten angesagt. Ansonsten kommt es darauf an. Ich bin der absolute Nachtmensch. Meistens, wenn ich das Arbeiten anfange, ist es oft zwei, drei Uhr Nachmittags. Aber dafür kann ich auch um zehn oder elf Uhr Abends noch arbeiten. In der Früh um zehn ist es schlimm für mich. Da sitze ich dann da, wie wenn es nicht meines wäre. Früher habe ich gedacht, ich muss früh anfangen, aber da kam ich auch nicht weiter. Jetzt mache ich es einfach so, wie ich möchte und arbeite dann notfalls auch an Tagen wie Weihnachten mal. Zur Weihnachtszeit bin ich oft um halb zehn Uhr Abends von den Märkten heimgekommen, habe mich geduscht und mich dann hingesetzt, um nochmal Stulpen zu machen.



Genähte Filztasche mit Filzherzen

Angela Holzmanns Näharbeiten stechen durch bunte Farben und ungewöhnliche Akzente hervor.

Wie kommen Ihre Produkte bei den Leuten an?

Ich habe festgestellt, dass meine mehrfarbigen Taschen die Leute mehr ansprechen, als die einfarbigen. Was auch sehr gut ankommt, sind meine Trachtentaschen mit Hirschen und Herzchen. Die Filztaschen beispielsweise kommen mehr auf Märkten in der südlicheren Gegend an – ab Ingolstadt. Auf manchen Märkten verkaufe ich dafür keine einzige. Das ist so unterschiedlich. Darum kann ich nicht sagen, dass ein Produkt nicht geht, es geht vielleicht nur auf diesem bestimmten Markt nicht, aber woanders schon. Ich habe festgestellt, dass für mich die Märkte auf Schlössern oder Burgen vom Verkauf her besser laufen, als Hobby- und Künstlermärkte. Es ist leider so. Vielen Besuchern auf den Hobby- und Künstlermärkten sind die Preise zu teuer und es gab viele Märkte, da habe ich keine einzige Tasche verkauft – nichts. Man weiß nie vorher, was gut läuft und was nicht.

Haben Sie konkrete Pläne für dieses Jahr?

Konkrete Pläne mache ich nicht mehr, die gehen immer den Bach runter. Wenn ich mir etwas vornehme, egal was, kommt es meistens anders. Darum probiere ich Sachen aus und lasse die Dinge auf mich zukommen. Auch auf Märkten entwickelt sich manchmal etwas.

Selbstgenähte Fuchstaschen aus Stoff und Filz

Auch für die Kleinen hat die Kunsthandwerkerin kreative Stücke im Angebot

Wird es neue Produkte geben?

Fürs Frühjahr habe ich mir vorgenommen, hauchdünne Armstulpen aus Spitze zu machen, da viele Frauen immer kalte Hände haben. Die Armstulpen sehen dann eleganter aus und können auch im Alltag getragen werden. Oder ich fertige Tunikas für den Sommer in vielen Größen.

Können Sie von Ihren Einnahmen mit dem Kunsthandwerk leben?

Im Moment noch nicht. Aber die Kunsthandwerker, die das schon länger machen, sagten mir alle, da wäre ich die erste, die gleich davon leben könnte. Am Anfang ist es ein Austesten – welche Märkte sind gut für mich? Wo passen die Leute zu meinen Produkten? Außerdem sind die Einnahmen auch wetterabhängig. 2016 war ein ganz schlechter Sommer.

Ich habe einen Markt in Königsberg mitgemacht, das war Mitte Juni, da hat es nur geregnet. Samstag, um 10 Uhr früh, hat der Markt begonnen und um halb eins hat es angefangen zu regnen. Aber so heftig, dass im Burggraben das Wasser durchgelaufen ist – und das bis Sonntag. Dann sind natürlich wenig Besucher da und die meisten gehen nicht einmal in die Pavillons rein, weil sie dann den Schirm wieder zu machen müssen. Das ist halt schlecht, aber dafür kann keiner was. Da ich alleine lebe, muss ich auch alles alleine finanzieren. Für andere Frauen ist es nicht so tragisch, wenn mal ein Markt schlecht läuft. Die erhalten Unterstützung von ihren Ehemännern. Das kann ich natürlich nicht von mir behaupten, ich lebe allein. Ich kann dann höchstens hoffen, dass meine Bank noch mitspielt. Natürlich muss das laufen. Ich lebe das, was ich gerne mache.

  • Kreatives Nähen: Weitere selbstgenähte Wenderöcke
    Verschiedene Wenderöcke aus Angela Holzmanns Kollektion.

 

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