Die Perlenmacherei am See – Interview mit Perlenmacherin Sonja Eckert

Sonja Eckert im Glasperlen-Atelier

Perlenmacherin Sonja Eckert | Fotocredits: Juliane Pröll

Perlenmacherin Sonja Eckert erschafft in ihrem Atelier bunte Glasperlen-Kreationen in Handarbeit. Welches Wunschprojekt sie gerne gestalten würde, warum sie die Arbeit mit Glas faszinierend findet und vieles mehr, lest ihr hier im Interview.

Seit wann arbeiten Sie schon als Perlenmacherin?

Meine erste „Glasberührung“ hatte ich 2010. In dem Jahr besuchte ich einen Anfängerkurs für Perlenmacher. Vorher wußte ich noch nicht mal, dass man Perlen selber fertigen kann. Zu der Zeit habe ich einfach ein Hobby gesucht. Ich habe damals als Verwaltungsleiterin gearbeitet und ich brauchte etwas Kreatives zum Ausgleich. Glasperlen herzustellen hat mich fasziniert, weil ich das noch nicht kannte. Ich war sofort infiziert. Da ist mir klar geworden: Das ist die Arbeit, die ich machen möchte.

Haben Sie eine Ausbildung im Glashandwerk absolviert?

Nein, ich habe mir das weitgehend durch Übung und Selbststudium beigebracht. Zusätzlich habe ich noch Kurse und Workshops bei anderen Perlenmacherinnen, die schon einen gewissen Namen in der Perlenwelt hatten, besucht. Aber zum größten Teil war es einfach Übung.

Viele Kunsthandwerker üben ihre Tätigkeit nebenberuflich aus, da oftmals die Einnahmen zu gering sind. Arbeiten Sie Vollzeit als Perlenmacherin?

Mittlerweile übe ich den Beruf Vollzeit aus. Anfangs war es mein Hobby, nach einiger Zeit fertigte ich Glasperlen nebenberuflich und seit letztem Jahr bin ich hauptberuflich Perlenmacherin. Durchschnittlich arbeite ich in der Woche ungefähr 30 Stunden, einschließlich dem Verkauf auf Kunsthandwerkermärkten und allem was noch so anfällt.



Bunte Glasstäbe in Colagläsern

Aus den bunten Glasstäben entstehen Verzierungen der Perlen, zum Beispiel Punkte. | Fotocredits: Juliane Pröll

Alle Ihre Werkstücke von der Perle bis zur Kette bestehen aus Glas. Warum arbeiten Sie gerade mit diesem Material?

Glas ist einfach ein toller Werkstoff: Die Farben sind wunderbar, das Verhalten in der Flamme ist schön. Es fasziniert mich, was ich damit machen kann. Auch am Feuer zu arbeiten ist etwas tolles. Wer als Kind schon gerne mit Kerzenflammen gespielt hat, kann das sicher nachvollziehen. Es ist eine sehr meditative Tätigkeit.

Sie stellen seit vielen Jahren Schmuck aus Glas her. Fasziniert Sie das Kunsthandwerk noch?

Ich unterteile das in zwei Sparten: Die eine Sparte sind Perlen die ich selbst am Liebsten mache und die andere Sparte sind Stücke, die die Kunden besonders mögen. Diese zwei Sparten sind natürlich nicht immer kongruent. Die kleinen Glastierchen, Ohrstecker und Kettenanhänger sind auf Märkten immer dabei. Ich habe mittlerweile unzählig viele Ohrstecker gemacht. Bei dieser Arbeit habe ich inzwischen eine gewisse Routine entwickelt. Das ist meine Konzession an die Kunden, weil sie diese Produkte gerne haben wollen. Natürlich verkaufe ich auch andere Stücke, das sind zum Teil teure Kreationen wie beispielsweise aufwendige Halsketten. Solche Projekte mache ich gerne und sie liegen mir am Herzen, auch wenn sich diese Ketten aufgrund des Preises, nicht wirklich gut auf den Märkten verkaufen.

Glasperlenkette mit Ohringen

Herzensprojekt: Eine aus vielen, einzelnen Glasperlen bestehende Kette. | Fotocredits: Juliane Pröll

Haben Sie ein bisher nicht realisiertes Wunschprojekt?

Mein Wunschprojekt wäre ein riesiger Kronleuchter vollständig bestückt mit Glas. Natürlich mit meinen Möglichkeiten hergestellt. Ich arbeite sehr kleinräumig, einen kompletten Kronleuchter mit gläsernen Armen kann ich nicht herstellen. Aber ich könnte einen metallenen Kronleuchter mit allerlei Glaswerk bestücken.

Ihre Glasperlen sind in Form und Design sehr unterschiedlich. Woher bekommen Sie die Inspiration für Ihre Glasstücke?

Von überall. Aus Zeitschriften, von Fotos oder draußen in der Natur. Ich kann das nicht eingrenzen. Manchmal ist es ein Farbmuster mit einer wunderschönen Farbkombination, das mich anspricht. Manchmal ist es eine Form die mir gefällt. Für mich stellt sich dann nur die Frage, ob ich es umsetzen kann.

Bunte Glasvögel auf Drahtstecken

Sonja Eckert fertigt auch kleine Figuren aus Glas. | Fotocredits: Juliane Pröll

Jeder Künstler hat einen Antrieb für sein künstlerisches Schaffen. Was treibt Sie als Kunsthandwerkerin an?

Meine persönliche Freude mit Glas umzugehen. Ich habe nicht so sehr den Anspruch, ein herausragendes Kunstwerk zu entwerfen. Ich möchte Perlen fertigen, die mir selber gefallen und freue mich dann, wenn Sie anderen auch gefallen. Das ist zum Glück auch oft der Fall. Mit einem schönen Werkstoff zu arbeiten ist eine ganz tolle Sache.

Haben Sie ein Lieblingsstück unter Ihren Produkten?

Ich habe eines, das ich für eine Freundin hergestellt habe. Sie hat letztes Jahr geheiratet und wollte für die Hochzeit eine Kette von mir als Brautschmuck haben. Die Halskette und dazu passende Ohrringe habe ich nach ihrer Farbvorgabe gefertigt. Jede der Perlen hat eine sehr schöne Form und ist mit blauem Muster gerakelt. Aber das ist nicht mein einziges Lieblingsstück. Ketten mag ich generell sehr gerne, jedoch nimmt ihre Fertigung viel Zeit in Anspruch. Es dauert, bis alle Perlen für eine Kette fertig sind. Was ich ansonsten gerne gestalte, sind Anhänger. Der Vorteil ist, ich sehe sofort ein Ergebnis. Die Anhänger sind in einer Zeitspanne von ungefähr 20 Minuten bis 2 Stunden machbar, je nach Design und Anzahl der aufgetragenen Glasschichten.

Braut mit blau-weißer Glasperlenkette

Eines von Sonja Eckerts Lieblingsstücken: Die blau-weiße Hochzeitskette mit passenden Ohrringen | Fotocredits: Sonja Eckert

Sie haben es geschafft, Ihre Leidenschaft zu Ihrem Beruf zu machen. Was planen Sie für die Zukunft?

Eine Idee von mir wäre, Kurse zu geben, doch das kann ich in meinem kleinen Atelier nicht. Da brauche ich einen größeren Raum und mehrere Arbeitsplätze. Wenn es sich ergeben sollte und ich ein neues Domizil mit einer großen Werkstatt finde, dann würde ich es angehen.

Als Perlenmacherin haben Sie mittlerweile sechs Jahre Berufserfahrung gesammelt. Was raten Sie angehenden Glaskünstlern?

Ich würde ihnen raten einen Anfängerkurs bei einer guten Lehrerin zu machen, da spart man sich viel Mühe und Glasschrott und es motiviert. Außerdem: Üben, üben, üben. Vieles gelingt am Anfang nicht und das frustriert. Aber man muss einfach immer weiter machen. Es wird dann schon.

 

Mehr Infos zur Perlenmacherei am See findet ihr auf der Webseite des Ateliers. Weitere Interviews von Kunsthandwerkern findet ihr unter der Interview-Rubrik von kunsthandwerk-online.com

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